TabalugaRasa’s Blog

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Nationalsozialismus – “Was geht uns das an?”

Geschrieben von tabalugarasa - September 29, 2010

Nationalsozialismus, das Dritte Reich, Hitler, der zweite Weltkrieg – eine Epoche, die man niemals vergessen sollte. Eine furchtbare Zeit, aus der wir heute viel für die Zukunft lernen können.

Meine Großeltern erzählen mir gerne ihre Geschichten von damals; wie sie evakuiert wurden, wie sie als FlAK-Helfer unterwegs waren, wie ihre Familien auseinander gerissen wurden, wie sie Deserteure bei sich versteckten und wie mein Urgroßvater bis nach Berlin vor das Gericht zog, weil er die Gültigkeit der Kommunalwahlen (99,5% für NSDAP) infrage stellte. Und diese persönlichen Erzählungen sind besser als jede Geschichtsstunde, in der wir nur aus Büchern lernen. Die Zahlen auf Papier machen schließlich noch lange nicht begreiflich, was wirklich mit den Menschen passiert ist. Zeitzeugen, die von ihren Schicksalen erzählen, sind das wichtigste und einprägsamste Mittel zum Verständnis. Auch wenn ich nicht mehr genau weiß, was unser Geschichtsbuch alles an Informationen über die Konzentrationslager hergibt, erinnere ich mich noch genau an Menachem Callus, der letztes Jahr an unserer Schule von seinem Leben im KZ erzählte. Kein Buch kann diese Menschen ersetzen, keine Tabelle mit Todesopfern kann das Gefühl vermitteln, was es heißt, wenn so viele Menschen sterben.

Wir als Deutsche tragen eine besondere Verantwortung mit dieser Geschichte unseres Landes; wir müssen vor allem daraus lernen und dafür sorgen, dass künftige Generationen noch wissen, was zum Beispiel der Holocaust war. Nur wenn wir die Geschehnisse dieser Zeit im Hinterkopf behalten, können wir künftige, vergleichbare Bewegungen verhindern.

Doch obwohl ich weiß, wie wichtig es ist, über die Epoche des Nationalsozialismus Bescheid zu wissen und dieses Wissen auch weiterzuvermitteln, habe ich das Gefühl, dass der heutige Umgang damit viel eher zur Distanzierung führen kann.

Denn in der Schule haben wir das Thema längst totgeredet. Zumindest kommt es mir so vor. In bis zu fünf Fächern gleichzeitig (Geschichte, Deutsch, Religion, Musik, Bildende Kunst) haben wir die wohl bedeutendste, schwierigste und meist diskutierteste Epoche Deutschlands auseinander genommen. Fächerübergreifender Unterricht, meines Erachtens eigentlich eine gute Sache, kann dann sehr langweilig werden, wenn zum wiederholten Male das Leben unter Hitler, die Totalität des Zweiten Weltkrieges und ihre Auswirkungen auf Kunst, Religion und Literatur diskutiert werden.

Denn es gab auch andere Ereignisse in Deutschland, die meiner Meinung nach vom Dritten Reich aus dem Lehrplan gedrängt werden: Die DDR, der Mauerfall, die RAF – all diese Themen und viele weitere wurden bisher im Vergleich dazu nur angeschnitten.

Aber waren sie nicht ebenso wichtig für die Entwicklung Deutschlands? Gebührt ihnen nicht auch eine ausreichend intensive Behandlung im Geschichtsunterricht? Stattdessen fokussiert man wieder und wieder dasselbe. Kafkas „Proceß“? Eine hellsichtige Vision des Nazi-Deutschlands. Kontrafraktur im Musik? Stimmt, das war ja eine Methode des Widerstandes gegen Hitler. „La Resistance“ im Französischunterricht? Ebenfalls Rebellion gegen die Besetzung Frankreichs durch die Deutschen.
Noch vor 40 Jahren zu Schulzeiten meiner Eltern wurde diese Epoche nur minimal und unzureichend behandelt. Diese Generation, die jetzt unsere Lehrer und Bildungsminister stellt, scheint dies kompensieren zu wollen, indem sie uns tagtäglich damit konfrontiert.

Natürlich gibt es auch Jugendliche, die nichts vom Dritten Reich und seinen Auswirkungen wissen. Die noch nie was vom Holocaust gehört haben, Hitler nur als Witzfigur mit komischem Bart aus Comedy-Sendern kennen und glauben, der Zweite Weltkrieg wurde in Vietnam geführt.

Dieses Unwissen ist schrecklich und im Vergleich dazu ist unsere „Überreizung“ dieses Themas wohl eindeutig das geringer Übel. Immerhin lernen wir, damit umzugehen und uns so eigene Meinungen über heutige Geschehnisse zu bilden. Die Bildungspolitik sollte darauf hinauslaufen, dass sich alle Schüler mit der Epoche des Zweiten Weltkrieges und des Nazi-Deutschlands so beschäftigen, dass sie genau darüber Bescheid wissen, aber nicht so häufig damit konfrontiert werden, als dass es sie irgendwann langweilt und sie sich ganz davon distanzieren.

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Klemmbrett raus, Stift in die Hand, zurücklehnen. Vorhang auf – Film ab!

Geschrieben von tabalugarasa - Februar 9, 2010

Meine Woche in der Schülerjury des

Filmfestival Max Ophüls Preis

15 mal den VIP-Pass am Eingang vorzeigen und sich an der Menge vorbeidrängeln, 15 mal auf den besten Plätzen sitzen, 15 mal den gleichen Vorspann anschauen, 15 mal Vorfreude und steigende Spannung, wenn der Vorhang aufgeht. In vier Tagen 15 Kurz- und 15 Langfilme ansehen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Traurige, lustige, spannende, verwirrende und abschreckende Filme. Tagsüber neben dem Anschauen die Langfilme diskutieren und auswerten. Danach den Abend ausklingen lassen, interessante und unterhaltsame Gespräche mit Filmschaffenden führen und neue Leute kennen lernen. Letzten Endes und schweren Herzens einen der Filme aussuchen, auf die Bühne gehen und den Sieger verkünden.

Max Ophüls wurde 1902 unter dem Namen Max Oppenheimer in  Saa r brücken geboren. Nachdem er sich zunächst als Schauspieler versuchte, entwickelte er sich später zu einem genialen Theater- und Filmregisseur. Während des zwe iten Weltkriegs wanderte Ophüls, da er Jude war, zuerst nach Frankreich, später in die USA aus, wo er seine Karriere weiter verfolgte. Das Filmfestival Max Ophüls Preis in Saarbrücken würdigt den 1957 verstorbenen Regisseur jedes Jahr mit dem größten Nachwuchs-Filmfestivals Deutschlands. Ziel ist die Förderung deutschsprachiger Nachwuchsregisseure und -darsteller in den Bereichen Kurz-, Lang- und Dokumentarfilmen. Doch dies soll nicht nur durch die Preisgelder von bis zu 18.000 Euro geschehen, sondern vor allem durch die Schaffung eines Forums, in dem die jungen Leute wichtige Kontakte knüpfen können.

Auch ich hatte dieses Mal vom 18.01.-23.01.10 die Möglichkeit „Festivalluft zu schnuppern“ und Leute der Filmbranche kennen zu lernen. Denn ich war Mitglied der deutsch-französischen Schülerjury, die einen der Langfilme mit einem Preis geld von 2.500 Euro prämieren darf, welches von der Bundeszentrale für politische Bildung und der Landeszentrale für politische Bildung Saarland gesponsert wird.Ich und die fünf anderen Jugendlichen aus Saarbrücken wurden durch schriftliche Bewerbungen und Vorstellungsgespräche ausgesucht, um dann die se ehrenvolle Aufgabe bewältigen zu dürfen.Die Woche begann für uns Montag Abend mit der feierlichen Eröffnung des Festivals im CineStar Saarbrücken. Nach kurzen Reden verschiedener saarlä ndischer Politiker und denSponsoren des Festivals, sahen wir uns den Film „Giulias Verschwinden“ an, der nicht am Wettbewerb teilnahm und am 4. Februar in den deutschen Kinos anlief. Darauf folgten Gespräche mit dem Regisseur und einigen Schauspielern auf der Bühne und ein ausklingender Sektempfang in der Eingangshalle.

Die Schülerjury

Unsere Arbeit als Schülerjury fing erst am nächsten Morgen an. Dieser be gann für mich schon sehr unterhaltsam, da ich mich beim Kaffeetrinken mit einer netten Frau unterhielt, die sich später als eine der Hauptdarstel lerinnen des Films „Suicide Club“ herausstellte. Es dauerte nicht lange, bis ich mich an solche Begegnungen in dieser Woche gewöhnt hatte.

Dann wurde es ernst: vier Langfilme mit je einem Kurzfilm davor standen für heute auf unserem Programm und nach jedem Film folgte ein kurzes Gespräch des Moderators mit den Filmemachern. Zwischen den Vorstellungen gab es kleine Pausen, in denen wir im VIP-Bereich aßen, die Filme besprachen und eine kurze Tagesempfehlung für die Website schrieben. Während diesen Zeiten lernten wir auch die anderen Jurys kennen, in denen zum Teil Regisseure von Filmen wie „Krabat“, „Männerherzen“ oder „Muxmäuschenstill“ mitwirkten. Auch Dienstag und Mittwoch schauten wir uns je vier, am Freitag drei Filme an, die es zu bewerten galt. Schon bald waren uns die Abläufe im Kinosaal vertraut und unsere Handlungen routiniert, wie etwa, dass wir uns während der Filme Notizen auf dem Klemmbrett machten, die man wegen der Dunkelheit im Nachhinein kaum entziffern konnte. Doch die Filme waren so unterschiedliche, dass keine Langeweile aufkam.

Abends, wenn die letzte Vorstellung gegen halb eins aus war, fuhren wir auf Empfänge oder gingen in „Lola’s Bistro“, in welches die Garage umf unktioniert worde n war. Dort redeten wir mit Regisseuren und Schauspielern der Filme, die wir uns ansahen und mit den Mitgliedern der anderen Jurys. Diese Gespräche mit den Filmschaffenden machten uns die Entscheidung nicht gerade leichter, die wir am Samstag zu fällen hatten, da die meisten Leute uns sehr sympathisch waren und sie ihre Ansichten, Meinungen und Intentionen gut vertraten. Die Schauspieler beleuchteten die Filme dann noch einmal von einer ganz anderen Seite und erzählten von ihren Erfahrungen während des Drehs.

Freitag Abend begannen wir dann mit dem Überlegen, Abstimmen und Diskutieren der Filme.

Schließlich hatten wir nur noch drei übrig, doch da jeder Film je zwei Stimmen erhielt, ging die Arbeit wieder von vorne los. Die drei letzten Filme, die wir noch nicht aus unserer Liste gestrichen hatten, waren „Picco“, „Bis aufs Blut – Brüder auf Bewährung“ und „Die Entbehrlichen“. Alle drei stachen aus der Menge hervor und jeder waren auf seine Weise einen Preis wert. Bevor wir an dieser Entscheidung verzweifelten, fuhren wir in die Garage, um uns die letzten Mitternachtstalks des SR anzuhören und allerletzte Gespräche mit den Regisseuren unserer Favoriten zu führen.

Am Samstag Morgen fanden wir uns dann mehr oder weniger müde i n der Volkshochschule Saarbrücken ein, um die Begründung für unseren Siegerfilm zu schreiben, den wir noch nicht ausgewählt hatten.

mit Regisseur Oliver Kienle von "Bis aufs Blut"

Es war nicht leicht, doch schließlich konnten wir uns schließlich einigen und beschlossen, „Bis aufs Blut – Brüder auf Bewährung“ den Preis zu verleihen. Die Begründung war schnell geschrieben, denn ein origineller Filminhalt, eine technisch wunderbare Umsetzung und tolle Schauspieler überzeugten uns. Dann fuhren wir alle nach Hause, um uns für die Preisverleihung, die abends in der Congresshalle stattfinden sollte, schick zu machen.

Während der Verkündigung der Gewinner der anderen Preise, wurden wir immer froher mit unserer Auswahl, denn auch „Picco“ und „Die Entbeh rlichen“, die wir beinahe genommen hätten, erhielten ihre wohlverdienten Preise. Als wir dann unseren großen Auftritt hinter uns hatten, der aus der Verleihung des Preises und der Verlesung der Begründung bestand, und die Nervosität verschwunden war, konnte die Filmparty im Anschluss nur noch großartig werden. Wir nutzen unseren letzte Abend, um noch einmal mit allen Filmemachern zu reden, Fotos zu machen und uns bei der Fesitvalleitung zu bedanken, dass wir an diesem großartigen Festival teilnehmen durften. Auch wir wurden sehr für unseren „seriösen und souveränen A uftritt“ und unsere „professionelle Jurytätigkeit gelobt“.

Besonders schön an diesem Abend war unter anderem das Gespräch mit Jacob Matschenz, der Hauptdarsteller unseres Siegerfilms, der sich überschwänglich bei uns bedankte und dann noch eine halbe Stunde lang mit uns über das Festival und seine Filme redete. Spät am Abend, als wir sechs von der Schülerjury uns voneinander verabschiedeten, wurde ich ein bisschen traurig daüber, dass diese wunderbare Woche schon vorbei wa r.

Doch die Müdigkeit und das Glücksgefühl überwogen und ich freute mich schon jetzt auf meinen nächsten Kinobesuch.


Lisa Stroetmann


Hier noch ein paar Bilder:

Lolas Bistro

mit Fabian Hinrichs von "Schwerkraft"

mit Fabian Hinrichs von "Schwerkraft"

Mit Andreas Arnstedt, dem Regisseur von "Die Entbehrlichen"

Musik vom Regisseur und Schauspieler Lenn Kudrjawizki (rechts)

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Deutschland 09 – Die Unvollendete

Geschrieben von tabalugarasa - November 26, 2009

Wenn sich 13 deutsche Top-Regisseure (u.a. Tom Tykwer, Hans Weingartner und Dani Levy) zusammensetzen, um einen Film über Deutschland zu drehen, kann man wahrlich auf das Ergebnis gespannt sein. Und tatsächlich kann es sich sehen lassen. „Deutschland 09“ besteht aus 13 Kurzfilmen „zur Lage der Nation“.

Und sie alle werfen ein mehr oder weniger kritisches Licht auf die Bundesrepublik und erhellen die düsteren Flecken, die man lieber übersieht. Anders als viele vergleichbaren Filme wärmt „Deutschland 09“ jedoch nicht die nationale Vergangenheit wieder auf. Nicht schon wieder Nationalsozialismus, nicht schon wieder DDR, nicht noch ein Film über den Mauerfall. Hier wird zur Abwechslung mal über aktuelle Probleme in der Gesellschaft berichtet, die im Gegensatz zum dritten Reich noch nicht so oft verfilmt und diskutiert wurden.

Kinderarmut, untergegangener Feminismus, Folgen der Globalisierung, Überwachungsstaat und Terrorismus sind unter anderem Themen, die angesprochen werden. Doch so grau und trostlos es sich anhört; es gibt auch Lichtblicke für die Zukunft. Isabelle Stever beispielsweise berichtet von einer Grundschulklasse, die in einer „demokratischen Gesprächsrunde zu festgelegten Zeiten“ die Probleme der Klasse gemeinsam löst.

Zwischen den Kurzfilmen, die den Zuschauer zum Teil sehr nachdenklich oder traurig stimmen, gibt es jedoch keine Zeit, um den Inhalt auf sich wirken zu lassen. Gerade noch sieht man einen kleinen Jungen im Bundestag vor Angela Merkel sitzen, schon wird man mit der sozialen Marktwirtschaft als Patient in einem Krankenhaus konfrontiert. Man hat kaum mehr als ein paar Sekunden Zeit um sich zwischen den einzelnen Filmen zu erholen. Und nach über 2 Stunden, wenn der Abspann beginnt, hat man einige Filme schon wieder fast vergessen. Aber vielleicht war dies auch der gewünschte Effekt der Produzenten Verena Rahmig und Dirk Wilutzky: Dass alle Filme in der Erinnerung verschmelzen und sich im Kopf ein einziges Bild von Deutschland bildet.

Der Kurzfilm von Nicolette Krebitz, „Die Unvollendete“ bringt zwei für die Frauenbefreiung in den 1960er Jahren wichtigen Persönlichkeiten zusammen: Ulrike Meinhof und Susan Sontag. Dazwischen steht die 16 jährige Regisseurin und Autorin Helene Hegemann. Sie selbst kommt mit ihrem Leben, der Welt und ihrer Rolle darin nicht zurecht und hat sich deswegen die Hilfe von zwei ihrer Vorbilder genommen. In einer Wohnung in Berlin trifft sie Vorkehrungen, zum Beispiel alle Türen zu öffnen und eine bestimmte Musikplatte aufzulegen, um das Treffen zu arrangieren. Und tatsächlich gelingt es ihr, in das Jahr 1969 zu reisen und Ulrike Meinhof (gespielt von Sandra Hüller) und Susan Sontag (Jasmin Tabatabai) in der Wohnung erscheinen zu lassen.

Wenn drei so starke Frauen aufeinandertreffen, ist es kein Wunder, dass es viel zu bereden gibt. Nach einiger Zeit schlägt Helene ihren Idolen etwas vor: Beide sollen miteinander ihr Leben tauschen und jeweils als die andere in New York beziehungsweise in Berlin weiterleben. So würde alles ein besseres Ende nehmen, meint die junge Frau. Doch Meinhof und Sontag sind für diesen Vorschlag nicht zu begeistern. Beide haben kleine Kinder, die sie nicht im Stich lassen wollen. Meinhof antwortet darauf: “Wie kann ich einen wichtigen Job machen, einen klaren Kopf behalten und gleichzeitig Mutter sein? Kann sich eine Mutter eine Zeit lang komplett aus der Familie ausklinken, um zum Beispiel im Beruf irgendein Problem zu lösen, ohne selbst eine Ehefrau zu haben, die sich um die Kinder kümmert?“

Schließlich entfernen sich die beiden immer mehr von Helene, bis sie letztendlich ganz verschwinden. Helene bleibt allein zurück und merkt, dass ihr die Vergangenheit zwar helfen kann, sie ihre Entscheidungen in der Gegenwart jedoch allein treffen muss.

Alles, was Ulrike Meinhof und Susan Sontag im Film sagen, sind reale Zitate der beiden Frauen. Helene Hegemann hat ihren Text selbst verfasst. Mit Sicherheit ist dies einer der Gründe dafür, dass der Film so authentisch wirkt. Wenn man den Namen Ulrike Meinhof hört, denkt man zumeist nur an die RAF-Terroristin, die sich in ihrer Zelle umgebracht hat und nicht direkt an die Gesellschaftskritikerin und Vertreterin der Frauenbewegung. Susan Sonntag (geb. 1933) war eine bedeutende amerikanische Schriftstellerin und Regisseurin, die heute als Ikone gilt. Als scharfe Kritikerin der Bush-Regierung und mit Aufsätzen über Kultur, Kunst und Politik wurde sie weltberühmt.

Doch während Ulrike Meinhof früh starb, entwickelte sich Susan Sontag weiter und damit auch ihre Interessen, Meinungen und Aussagen. Die Regisseurin, Nicolette Krebitz, sagte dazu in einem Interview: „Diese Gegensätze beschreiben ganz gut den Konflikt, den man als junger Mensch in sich trägt, wenn man auf der einen Seite denkt, dass man unbedingt etwas an den Verhältnissen ändern muss, zur Not auch gegen das Gesetz, weil man sich im Recht fühlt und auf der anderen Seite aber auch einfach glücklich sein will und seine persönlichen Interessen entdeckt.“

Doch die „Unvollendete“ ist nicht nur der innere Konflikt Jugendlicher, sondern steht auch für eine unvollendete Befreiung der Frauen. Meinhofs Aussagen über Frauen, Familien und Arbeit sind immer noch aktuell. Immer noch haben Männer es leichter, einen Job auszuüben, wenn die Frau sich daheim um die Kinder kümmert und immer noch gibt es ungleiche Gehälter zwischen Männern und Frauen für die selbe Arbeit. Doch im Gegensatz zu den 1960er Jahren gehen die Frauen nicht mehr auf die Straße, um für ihre Rechte zu kämpfen. Zumindest nicht in diesem Stil. Heutzutage fehlen eben Persönlichkeiten wie Ulrike Meinhof, Susan Sontag oder Alice Schwarzer. Doch in Deutschland darf frau immerhin noch hoffen; schließlich haben wir eine Bundeskanzlerin.

Wenn ich persönlich die Chance hätte, mich mit Ulrike Meinhof und Susan Sontag zu treffen, würde ich sie mir nicht entgehen lassen. Allein aus diesem Grund hat die „Unvollendete“ bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Die unvollendete Frauenbewegung, der Wunsch Jugendlicher, sich in die Politik einzumischen und das Bedenken und die Diskussion der Vergangenheit; all diese Themen machen den Film zu einem Diskursfilm, wie die Regisseurin ihn nennt. Man (bzw. frau) soll darüber nachdenken und sich fragen, wie man persönlich zu Politik im Privatleben steht. Und zumindest bei mir hat Nicolette Krebitz dieses Ziel erreicht.

Lisa Stroetmann

Hier ist die Website von “Deutschland 09″

Und hier der Trailer bei youtube


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In jede Schultasche gehört ein Laptop!

Geschrieben von tabalugarasa - Mai 15, 2009

Computer bestimmen unser ganzes Leben. Wir machen Online-Einkäufe mit ihnen, sprechen mit Freunden über Chatrooms und schauen uns Filme im Internet an. Fast jeder unserer Lebensbereiche kann auch über PCs gesteuert werden. Nur im schulischen Bereich verwendet man kaum Computer, sondern arbeitet mit Büchern und schreibt per Hand.

Die Website Spiegelonline.de veröffentlichte am 05.08.2007 einen Artikel, laut dem die „Schulen den Laptops abschwören“. Doch was genau wären die Vor- bzw. Nachteile von Notebooks in der Schule? Würde ein Laptop in jeder Schultasche das Lernen erleichtern oder die Schüler nur ablenken? Diese Frage werde ich im Folgendem erörtern.

PC-Kenntnisse sind in unserer Gesellschaft vorausgesetzt und wer diese bei einem Vorstellungsgespräch nicht mitbringt, hat häufig schlechtere Aussichten eingestellt zu werden, als jemand mit Software-Erfahrung. Daher wäre es sinnvoll, den zukünftigen Arbeitnehmern unseres Landes schon von klein auf den Einstieg in die Berufswelt zu erleichtern, indem sie tagtäglich den Umgang mit Computern, Softwares und Internet lernen und Erfahrungen sammeln. So bringt man Generationen von Schulabgängern zustande, die HTML-, Fotoshop-, Word- und Exel-Kenntnisse besitzen und die Bürokratie unseres Landes auf den neuesten Stand der Technik bringen könnten.

Wenn man schon in der fünften Klasse lernt, Websites zu erstellen und Programme zu installieren, dürfte man nach dem Abitur keine Probleme haben, sich in einer Firma um den Posten eines Marketing-Chefs zu bewerben.

Doch eigentlich sollten in der Schule auch noch andere Fächer unterrichtet werden, wie zum Beispiel Mathematik, Chemie oder Englisch. Und in diesen Fächern würde durch Laptops in der Schule die Konzentration der Schüler um Einiges nachlassen.

Die Vielzahl der Programm verleiten dazu, sich ablenken zu lassen. Eine Umfrage einer amerikanischen High-School ergab, dass nur jeder fünfte Schüler sein Laptop zum Lernen nutzte, seit sie vor über 5 Jahren in der Schule eingeführt wurden.

Man setzt sich an den Computer um ein Referat zu schreiben, sieht dabei zufällig das elektronische Lesezeichen für YouTube.com und schaut sich lieber das Musikvideo an, das man schon so lange sehen möchte. Die Konzentration ist dahin. Nicht zuletzt kann das stundenlange Starren auf den Bildschirm starke Kopf- und Augenschmerzen verursachen. Wer beispielsweise in den ersten beiden Schulstunden etwas recherchiert oder abtippt und davon Kopfschmerzen bekommt, hat kaum Chancen sich auf eine Klassenarbeit in der dritten Stunde zu konzentrieren.

Auf der anderen Seite wären Laptops erheblich billiger als Schulbücher. Bei Discountern wie beispielsweise der Ladenkette „Aldi“, sind Notebooks oft schon für unter 300 Euro zu kaufen. Für Schulbücher bezahlt man im Durchschnitt 150 Euro pro Schuljahr. Wenn man von 8 Jahren gymnasialer Laufbahn ausgeht, bezahlt man ca. 1200 Euro nur für Schulbücher, die man teilweise noch nicht einmal benutzt. Für dieses Geld könnte man sich mindestens 4 Laptops kaufen.

Allerdings ist fraglich, ob Laptops wirklich alle Schulbücher ersetzten können. Wahrscheinlicher ist vielmehr, dass man zusätzlich zu dem Notebook noch einige Bücher anschaffen müsste, und dass wiederum würde die momentanen Kosten nur noch steigern. Abgesehen davon, gibt es ja bereits in vielen Schulen eine Schulbuchausleihmöglichkeit, durch die viel Geld eingespart werden kann.

Desweiteren würden Laptops, so wie alle anderen Luxusartikel, in den Schulen einen Markenwahn auslösen. Familien mit weniger Geld können sich nicht die gleichen Computer wie andere mit größerem Einkommen leisten.

Bei Laptops fallen außerdem nicht nur sehr hohe Anschaffungs- und Stromkosten an, sondern man benötigt ja zu dem PC auch noch Zubehör, wie z.B. einen sehr guten Drucker. Zudem steigt die Gefahr, dass Schüler innerhalb und außerhalb der Schulen bestohlen werden.

Ein Vorzug des Laptops gegenüber den Heften wäre jedoch das wesentlich ordentlichere Gesamtbild des Textes. Die Schrift ist nicht nur in jedem Fall sauber und lesbar, auch die Rechtschreibfehler werden von dem Word-Programm sofort markiert. Auch neue Aspekte und spontane Gedanken lassen sich leicht in den Text einfügen, ohne dass man mit Sternchen, Fußnoten oder Tipp-Ex arbeiten muss. Dadurch wirkt das Getippte wesentlich ordentlicher als ein Text in einer schwer lesbaren Handschrift, die mehrfach mit Tintenkillern etc. korrigiert wurde. Außerdem wird der Lehrer nicht mehr solche Ausreden wie „Ich habe mein Blatt verloren und konnte deshalb meine Hausaufgaben nicht machen!“ zu hören bekommen, weil die Blätterwirtschaft der Schüler durch ein chronologisches Ordnersystem des Computer ersetzt wird.

Doch dann würden die geschickten Schüler auf passendere Ausreden zurückgreifen, wie z.B. „Mein PC hat alle Daten der letzten Woche gelöscht“. Viel wahrscheinlicher ist es jedoch, das ein Laptop vor jedem Schüler die Kommunikation zum Lehrer und untereinander komplett einschränken würde. Warum soll man sich auch mit anderen Leuten unterhalten, wenn man im Internet chatten kann? So geht der pädagogische Sinn der Schule mit der neuen Technik unter. Die Lernprogramme kann man schließlich auch zu Hause machen und der PC zeigt Fehler ja automatisch an, also warum in die Schule gehen, wenn man dort sowieso nichts als das Getippte von 28 Schülern an ihren Tastaturen hört? Viele würden die Schule komplett schwänzen, denn die Dokumente, die noch im Unterricht verfasst werden, kann man sich ja auch leicht von anderen schicken lassen. Voraussetzung für einen solchen Unterricht wäre

außerdem eine Schulreform, denn man müsste versuchen, Bücher zu digitalisieren, was extrem kostspielig wäre. Und dann wäre immer noch nicht gewährleistet, dass man nicht einen solchen Fehler macht wie die Matoaca High-School in Richmond, Virginia, die mehrere Millionen für ein solches Reformationsprogramm ausgab und jetzt den Teenagern die Laptops wieder abnimmt, weil es sich als Fehlinvestition erwies.

“Wenn es um kurzfristige Lernerfolge geht, sind Laptops das falsche Mittel. Aber wenn wir weiterhin Leute wie Steve Jobs und Bill Gates hervorbringen wollen, sind sie extrem nützlich.” Dies sagte Mark Warschauer, Pädagogik-Professor an der University of California in Irvine. Nach gründlichem Abwiegen der dargestellten Vor- und Nachteile des Laptops in der Schule, kann ich die am Anfang aufgeworfene Frage folgendermaßen beantworten: Ich denke, dass man die neuen technischen Fortschritte an den Schulen zwar nicht ignorieren sollte, jedoch können sie in keiner Weise Bücher aus ihrer Funktion verdrängen. Die Reformation der Schulen würde mehr Zeit und Geld kosten als Nutzen bringen. Ein Kompromiss wäre jedoch, die Schulen mit mehr Computerräumen auszustatten und unter anderem Fächer wie Informatik oder neue Medien stärker zu nutzen, um die Jugendlichen auf das Berufsleben besser vorzubereiten.

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Geschichtsunterricht mal anders

Geschrieben von tabalugarasa - Mai 15, 2009

Die Aula ist voll. Es ist mucksmäuschenstill. Alle schauen nach vorne, wo ein zwei Frauen und ein älterer Herr an einem Tisch sitzen. Der Mann heißt Menachem Kallus und ist gekommen, um den Schüler der 10er Klasse des SGS Saarlouis vom Holocaust zu berichten, den er selbst miterlebt hat.

Er spricht auf Englisch, doch die Frau neben ihm, seine Schwester, übersetzt immer wieder das Gesprochene ins Deutsche. Die Schüler sitzen wie gebannt auf ihren Stühlen und lauschen, beeindruckt und entsetzt über das, was Menachem Kallus so emotional schildert.

Als kleiner Junge lebte Menachem in den Niederlande und als der Krieg ausbrach, wussten er und seine Geschwister nicht viel darüber. Doch dann kamen die Nazis auch zu ihnen und nach und nach änderte sich das Leben für die jüdische Familie, bis sie schließlich ins KZ verschleppt wurden.

Menachem Kallus betont immer wieder, dass er in diesen Jahren der Gefangenschaft innerlich zum Mann wurde. Er hatte keine Zeit mehr, Kind zu sein. Er konnte es sich nicht leisten, sondern musste denken und handeln wie ein Erwachsener. Nachdem er zuerst von seinem Vater, dann von seinen Großeltern und letzenendes auch von seiner Mutter und seinen Geschwistern getrennt wurde, wschickte man ihn ins KZ Ravensburg , wo man ihn als 12 Jährigen genauso behandelte wie die erwachsenen Häftlinge. Im Gegensatz zu seinem Vater und seinen Großeltern hatte er Glück und überlebte den Krieg. Er und seine Geschwister kamen in Pflegefamilien unter und konnten wieder die Schule besuchen. Aber Menachem Kallus fühlt sich nicht wie seine Mitschüler und kann es mit ihnen nicht aushalten. Auch wenn sie das gleiche Alter haben, ist er innerlich viel älter als sie.

Sie haben nicht das Gleiche gesehen wie er, haben nicht das Gleiche gefühlt wie er, haben nicht gelitten wie er.
Über 60 Jahre lang redete Menachem Kallus kein Wort über seine Zeit in Gefangenschaft, auch nicht mit seiner Frau. Erst 2001 bricht er das Schweigen. Er verfasste das Buch “Als Junge im KZ Ravensbrück”, das zunächst nur auf Hebräisch erschien und dann auch ins Deutsche übersetzt wurde. Darin beschreibt er sein Leben, seine Erfahrungen, seine Erlebnisse in den Konzentrationslagern. Seit Juni 2008 besuchte er bereits viele Schulen, um vom Holocaust zu berichten.

Nach dem Erzählen ist er bereit, auf die Fragen der Schüler zu antworten. Sie wollen wissen, was mit dem Rest seiner Familie passiert ist, ob er noch sauer auf die Deutschen ist und noch viele andere Dinge, die sie interessieren. Dies ist ein gutes Beispiel dafür, dass es außer trockenen Geschichtsbüchern viel Spannenderes gibt und das Geschichte lebendig und emotional sein kann. Zumindest spiegeln die Gesichter der Schüler das wider.

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Der Vorleser – Filmkritik

Geschrieben von tabalugarasa - März 31, 2009

Als ich mit diesem Blog angefangen habe, habe ich mir eigentlich vorgenommen hauptsächlich richtige Artikel zu veröffentlichen.  Und heute fang ich auch mal damit an: Hier ist eine Filmkritik von mir zu dem kürzlich erschienen Film “Der Vorleser”. Wenn ihr überlegt,  euch den Film anzusehen, ist sie vielleicht ganz hilfreich. :-)

Als der 15 Jährige Michael 1938 eine Affäre mit der 17 Jahre älteren Hannah beginnt, ahnt er nicht, dass dieser Sommer ihn für den Rest seines Lebens prägen wird.

Hannah ist erfahren, stark und dominant, und lehrt Michael, mit Körper und Seele zu lieben.

Zu ihrem Liebesritual gehört, dass er ihr aus Romanen vorliest, bevor sie miteinander schlafen.

Michaels Frauenerfahrung macht ihn selbstbewusst, was auch von seinen gleichaltrigen Mitschülerinnen nicht unbemerkt bleibt, doch er weist sie immer wieder ab.

Von einem Tag auf den anderen ist Hannah plötzlich verschwunden. Micha macht sich große Vorwürfe und fühlt sich verantwortlich für ihr Verschwinden.

Erst im Gerichtssaal 10 Jahre später trifft er sie wieder. Sie ist eine angeklagte KZ-Wärterin und er Jurastudent, der ihren Prozess im Rahmen eines Seminars besucht.

Alte Gefühle kommen hoch und vermischen sich mit dem Abscheu von den Taten, die ihr das Gericht vorwirft. Als einer der Hauptbeweise ihres Prozesses existiert ein Bericht der SS, den Hannah angeblich geschrieben haben soll, was sie jedoch abstreitet. Erst als nach einer Schriftprobe zum Vergleich verlangt wird, gesteht sie, den Bericht verfasst zu haben. Da wird Michael plötzlich klar, was Hannah ihr ganzes Leben lang vor dem Rest der Welt geheim gehalten hatte: Sie ist Analphabetin.

Das diese Tatsache ihr Urteil vermindern könnte, ist Michael klar, doch er traut sich nicht, das Gericht davon in Kenntnis zu setzten. So wird Hannah letzten Endes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.
Wiederum über 10 Jahre später beginnt der Erwachsene Michael, Bücher auf Band zu sprechen und sie ihr ins Gefängnis zu schicken. Dort bringt sich Hannah selbst Lesen und Schreiben bei, doch Michael antwortet nicht auf ihre Briefe, sondern bespricht immer mehr Kassetten mit Romanen.

Eines Tages erhält er einen Anruf, mit der Nachricht, dass Hannah bald entlassen werden würde.

Da er ihr einziger Kontakt ist, wird er gebeten ihr zu helfen, sich in die Gesellschaft wieder einzugliedern. Er lässt sich dazu herab, seine Jugendliebe, die inzwischen eine alte Frau ist, im Gefängnis zu besuchen, kurz bevor sie in Freiheit kommen soll.

Doch einen Tag vor ihrer Entlassung , erhängt sie sich in ihrer Zelle.

In ihrem Testament bittet sie Michael, ihre restlichen Ersparnisse einer Frau zu geben, die eine Buch über ihre Zeit im KZ, indem Hannah Wärterin war, geschrieben hat. Michael besucht diese Frau in den USA und sie einigen sich darauf, das Geld an eine jüdische Einrichtung zur Alphabetisierung zu spenden.

Die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Bernhard Schlink wurde mit viel Spannung und Skepsis erwartet. Ein Buch zu verfilmen, in dem die Gefühle und Gedanken des Ich-Erzählers im Vordergrund stehen, stellt eindeutig einige Schwierigkeiten dar.

Der Film ist so aufgebaut, als würde sich der Erwachsene Michael (Ralph Fieness) an seine Jugend erinnern. So sieht man abwechselnd sequenzartige Szenen aus seinem jetzigen Leben und seiner Vergangenheit. Diese Übergänge sind manchmal sehr schroff und machen große Zeitsprünge, was für den Zuschauer oft zu schnell geht und verwirrend ist.

Die großen Erwartungen, die Liebhaber des Buches an den Film gestellt haben, werden kaum erfüllt. Schlüsselszenen des Buches, in denen beispielsweise Hannahs Analphabetismus deutlich wird, fehlen gänzlich. So sind auch manche Zusammenhänge für Laien, die nicht mit dem Buch vertraut sind, vollkommen unverständlich.

Kate Winslet, die zwar gute schauspielerische Leistungen bringt, wirkt nicht wie die dominante und herrische Hannah, wie sie im Buch beschrieben wird. Die Hannah im Film ist zu freundlich, zu nett und zu naiv. Ihre Suizidszene ist nicht dramatisch sondern nüchtern und merkwürdig, da man den Strick nicht sieht und man meinen könnte, sie wolle nur vom Tisch springen.

Der junge Michael, gespielt von David Kross, wirkt in meinen Augen hingegen sehr authentisch.

Ein massiver Störfaktor des Filmes ist jedoch die Tatsache, dass alle im Film vorkommenden Bücher auf Englisch geschrieben sind, obwohl der Film doch in Deutschland spielt.

Die Schuldfrage, ob und wer an den Vergehen, an denen Hannah beteiligt war, nun die Schuld trägt, wird im Film kaum mehr erläutert. Desweiteren wird nicht deutlich gemacht, dass Michael nach so langer Zeit immer noch etwas für Hannah empfindet und seit ihrer Affäre ein gestörter Verhältnis zu Frauen hat.

Im Großen und Ganzen ist der Film trotz einiger Enttäuschungen zumindest den Leuten zu empfehlen, die das Buch von Bernhard Schlink gelesen haben.

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