Nationalsozialismus, das Dritte Reich, Hitler, der zweite Weltkrieg – eine Epoche, die man niemals vergessen sollte. Eine furchtbare Zeit, aus der wir heute viel für die Zukunft lernen können.
Meine Großeltern erzählen mir gerne ihre Geschichten von damals; wie sie evakuiert wurden, wie sie als FlAK-Helfer unterwegs waren, wie ihre Familien auseinander gerissen wurden, wie sie Deserteure bei sich versteckten und wie mein Urgroßvater bis nach Berlin vor das Gericht zog, weil er die Gültigkeit der Kommunalwahlen (99,5% für NSDAP) infrage stellte. Und diese persönlichen Erzählungen sind besser als jede Geschichtsstunde, in der wir nur aus Büchern lernen. Die Zahlen auf Papier machen schließlich noch lange nicht begreiflich, was wirklich mit den Menschen passiert ist. Zeitzeugen, die von ihren Schicksalen erzählen, sind das wichtigste und einprägsamste Mittel zum Verständnis. Auch wenn ich nicht mehr genau weiß, was unser Geschichtsbuch alles an Informationen über die Konzentrationslager hergibt, erinnere ich mich noch genau an Menachem Callus, der letztes Jahr an unserer Schule von seinem Leben im KZ erzählte. Kein Buch kann diese Menschen ersetzen, keine Tabelle mit Todesopfern kann das Gefühl vermitteln, was es heißt, wenn so viele Menschen sterben.
Wir als Deutsche tragen eine besondere Verantwortung mit dieser Geschichte unseres Landes; wir müssen vor allem daraus lernen und dafür sorgen, dass künftige Generationen noch wissen, was zum Beispiel der Holocaust war. Nur wenn wir die Geschehnisse dieser Zeit im Hinterkopf behalten, können wir künftige, vergleichbare Bewegungen verhindern.
Doch obwohl ich weiß, wie wichtig es ist, über die Epoche des Nationalsozialismus Bescheid zu wissen und dieses Wissen auch weiterzuvermitteln, habe ich das Gefühl, dass der heutige Umgang damit viel eher zur Distanzierung führen kann.
Denn in der Schule haben wir das Thema längst totgeredet. Zumindest kommt es mir so vor. In bis zu fünf Fächern gleichzeitig (Geschichte, Deutsch, Religion, Musik, Bildende Kunst) haben wir die wohl bedeutendste, schwierigste und meist diskutierteste Epoche Deutschlands auseinander genommen. Fächerübergreifender Unterricht, meines Erachtens eigentlich eine gute Sache, kann dann sehr langweilig werden, wenn zum wiederholten Male das Leben unter Hitler, die Totalität des Zweiten Weltkrieges und ihre Auswirkungen auf Kunst, Religion und Literatur diskutiert werden.
Denn es gab auch andere Ereignisse in Deutschland, die meiner Meinung nach vom Dritten Reich aus dem Lehrplan gedrängt werden: Die DDR, der Mauerfall, die RAF – all diese Themen und viele weitere wurden bisher im Vergleich dazu nur angeschnitten.
Aber waren sie nicht ebenso wichtig für die Entwicklung Deutschlands? Gebührt ihnen nicht auch eine ausreichend intensive Behandlung im Geschichtsunterricht? Stattdessen fokussiert man wieder und wieder dasselbe. Kafkas „Proceß“? Eine hellsichtige Vision des Nazi-Deutschlands. Kontrafraktur im Musik? Stimmt, das war ja eine Methode des Widerstandes gegen Hitler. „La Resistance“ im Französischunterricht? Ebenfalls Rebellion gegen die Besetzung Frankreichs durch die Deutschen.
Noch vor 40 Jahren zu Schulzeiten meiner Eltern wurde diese Epoche nur minimal und unzureichend behandelt. Diese Generation, die jetzt unsere Lehrer und Bildungsminister stellt, scheint dies kompensieren zu wollen, indem sie uns tagtäglich damit konfrontiert.
Natürlich gibt es auch Jugendliche, die nichts vom Dritten Reich und seinen Auswirkungen wissen. Die noch nie was vom Holocaust gehört haben, Hitler nur als Witzfigur mit komischem Bart aus Comedy-Sendern kennen und glauben, der Zweite Weltkrieg wurde in Vietnam geführt.
Dieses Unwissen ist schrecklich und im Vergleich dazu ist unsere „Überreizung“ dieses Themas wohl eindeutig das geringer Übel. Immerhin lernen wir, damit umzugehen und uns so eigene Meinungen über heutige Geschehnisse zu bilden. Die Bildungspolitik sollte darauf hinauslaufen, dass sich alle Schüler mit der Epoche des Zweiten Weltkrieges und des Nazi-Deutschlands so beschäftigen, dass sie genau darüber Bescheid wissen, aber nicht so häufig damit konfrontiert werden, als dass es sie irgendwann langweilt und sie sich ganz davon distanzieren.
nschauen die Langfilme diskutieren und auswerten. Danach den Abend ausklingen lassen, interessante und unterhaltsame Gespräche mit Filmschaffenden führen und neue Leute kennen lernen. Letzten Endes und schweren Herzens einen der Filme aussuchen, auf die Bühne gehen und den Sieger verkünden. 






einen Film über Deutschland zu drehen, kann man wahrlich auf das Ergebnis gespannt sein. Und tatsächlich kann es sich sehen lassen. „Deutschland 09“ besteht aus 13 Kurzfilmen „zur Lage der Nation“.
