TabalugaRasa’s Blog

In jede Schultasche gehört ein Laptop!

Geschrieben von tabalugarasa am Mai 15, 2009

Computer bestimmen unser ganzes Leben. Wir machen Online-Einkäufe mit ihnen, sprechen mit Freunden über Chatrooms und schauen uns Filme im Internet an. Fast jeder unserer Lebensbereiche kann auch über PCs gesteuert werden. Nur im schulischen Bereich verwendet man kaum Computer, sondern arbeitet mit Büchern und schreibt per Hand.

Die Website Spiegelonline.de veröffentlichte am 05.08.2007 einen Artikel, laut dem die „Schulen den Laptops abschwören“. Doch was genau wären die Vor- bzw. Nachteile von Notebooks in der Schule? Würde ein Laptop in jeder Schultasche das Lernen erleichtern oder die Schüler nur ablenken? Diese Frage werde ich im Folgendem erörtern.

PC-Kenntnisse sind in unserer Gesellschaft vorausgesetzt und wer diese bei einem Vorstellungsgespräch nicht mitbringt, hat häufig schlechtere Aussichten eingestellt zu werden, als jemand mit Software-Erfahrung. Daher wäre es sinnvoll, den zukünftigen Arbeitnehmern unseres Landes schon von klein auf den Einstieg in die Berufswelt zu erleichtern, indem sie tagtäglich den Umgang mit Computern, Softwares und Internet lernen und Erfahrungen sammeln. So bringt man Generationen von Schulabgängern zustande, die HTML-, Fotoshop-, Word- und Exel-Kenntnisse besitzen und die Bürokratie unseres Landes auf den neuesten Stand der Technik bringen könnten.

Wenn man schon in der fünften Klasse lernt, Websites zu erstellen und Programme zu installieren, dürfte man nach dem Abitur keine Probleme haben, sich in einer Firma um den Posten eines Marketing-Chefs zu bewerben.

Doch eigentlich sollten in der Schule auch noch andere Fächer unterrichtet werden, wie zum Beispiel Mathematik, Chemie oder Englisch. Und in diesen Fächern würde durch Laptops in der Schule die Konzentration der Schüler um Einiges nachlassen.

Die Vielzahl der Programm verleiten dazu, sich ablenken zu lassen. Eine Umfrage einer amerikanischen High-School ergab, dass nur jeder fünfte Schüler sein Laptop zum Lernen nutzte, seit sie vor über 5 Jahren in der Schule eingeführt wurden.

Man setzt sich an den Computer um ein Referat zu schreiben, sieht dabei zufällig das elektronische Lesezeichen für YouTube.com und schaut sich lieber das Musikvideo an, das man schon so lange sehen möchte. Die Konzentration ist dahin. Nicht zuletzt kann das stundenlange Starren auf den Bildschirm starke Kopf- und Augenschmerzen verursachen. Wer beispielsweise in den ersten beiden Schulstunden etwas recherchiert oder abtippt und davon Kopfschmerzen bekommt, hat kaum Chancen sich auf eine Klassenarbeit in der dritten Stunde zu konzentrieren.

Auf der anderen Seite wären Laptops erheblich billiger als Schulbücher. Bei Discountern wie beispielsweise der Ladenkette „Aldi“, sind Notebooks oft schon für unter 300 Euro zu kaufen. Für Schulbücher bezahlt man im Durchschnitt 150 Euro pro Schuljahr. Wenn man von 8 Jahren gymnasialer Laufbahn ausgeht, bezahlt man ca. 1200 Euro nur für Schulbücher, die man teilweise noch nicht einmal benutzt. Für dieses Geld könnte man sich mindestens 4 Laptops kaufen.

Allerdings ist fraglich, ob Laptops wirklich alle Schulbücher ersetzten können. Wahrscheinlicher ist vielmehr, dass man zusätzlich zu dem Notebook noch einige Bücher anschaffen müsste, und dass wiederum würde die momentanen Kosten nur noch steigern. Abgesehen davon, gibt es ja bereits in vielen Schulen eine Schulbuchausleihmöglichkeit, durch die viel Geld eingespart werden kann.

Desweiteren würden Laptops, so wie alle anderen Luxusartikel, in den Schulen einen Markenwahn auslösen. Familien mit weniger Geld können sich nicht die gleichen Computer wie andere mit größerem Einkommen leisten.

Bei Laptops fallen außerdem nicht nur sehr hohe Anschaffungs- und Stromkosten an, sondern man benötigt ja zu dem PC auch noch Zubehör, wie z.B. einen sehr guten Drucker. Zudem steigt die Gefahr, dass Schüler innerhalb und außerhalb der Schulen bestohlen werden.

Ein Vorzug des Laptops gegenüber den Heften wäre jedoch das wesentlich ordentlichere Gesamtbild des Textes. Die Schrift ist nicht nur in jedem Fall sauber und lesbar, auch die Rechtschreibfehler werden von dem Word-Programm sofort markiert. Auch neue Aspekte und spontane Gedanken lassen sich leicht in den Text einfügen, ohne dass man mit Sternchen, Fußnoten oder Tipp-Ex arbeiten muss. Dadurch wirkt das Getippte wesentlich ordentlicher als ein Text in einer schwer lesbaren Handschrift, die mehrfach mit Tintenkillern etc. korrigiert wurde. Außerdem wird der Lehrer nicht mehr solche Ausreden wie „Ich habe mein Blatt verloren und konnte deshalb meine Hausaufgaben nicht machen!“ zu hören bekommen, weil die Blätterwirtschaft der Schüler durch ein chronologisches Ordnersystem des Computer ersetzt wird.

Doch dann würden die geschickten Schüler auf passendere Ausreden zurückgreifen, wie z.B. „Mein PC hat alle Daten der letzten Woche gelöscht“. Viel wahrscheinlicher ist es jedoch, das ein Laptop vor jedem Schüler die Kommunikation zum Lehrer und untereinander komplett einschränken würde. Warum soll man sich auch mit anderen Leuten unterhalten, wenn man im Internet chatten kann? So geht der pädagogische Sinn der Schule mit der neuen Technik unter. Die Lernprogramme kann man schließlich auch zu Hause machen und der PC zeigt Fehler ja automatisch an, also warum in die Schule gehen, wenn man dort sowieso nichts als das Getippte von 28 Schülern an ihren Tastaturen hört? Viele würden die Schule komplett schwänzen, denn die Dokumente, die noch im Unterricht verfasst werden, kann man sich ja auch leicht von anderen schicken lassen. Voraussetzung für einen solchen Unterricht wäre

außerdem eine Schulreform, denn man müsste versuchen, Bücher zu digitalisieren, was extrem kostspielig wäre. Und dann wäre immer noch nicht gewährleistet, dass man nicht einen solchen Fehler macht wie die Matoaca High-School in Richmond, Virginia, die mehrere Millionen für ein solches Reformationsprogramm ausgab und jetzt den Teenagern die Laptops wieder abnimmt, weil es sich als Fehlinvestition erwies.

“Wenn es um kurzfristige Lernerfolge geht, sind Laptops das falsche Mittel. Aber wenn wir weiterhin Leute wie Steve Jobs und Bill Gates hervorbringen wollen, sind sie extrem nützlich.” Dies sagte Mark Warschauer, Pädagogik-Professor an der University of California in Irvine. Nach gründlichem Abwiegen der dargestellten Vor- und Nachteile des Laptops in der Schule, kann ich die am Anfang aufgeworfene Frage folgendermaßen beantworten: Ich denke, dass man die neuen technischen Fortschritte an den Schulen zwar nicht ignorieren sollte, jedoch können sie in keiner Weise Bücher aus ihrer Funktion verdrängen. Die Reformation der Schulen würde mehr Zeit und Geld kosten als Nutzen bringen. Ein Kompromiss wäre jedoch, die Schulen mit mehr Computerräumen auszustatten und unter anderem Fächer wie Informatik oder neue Medien stärker zu nutzen, um die Jugendlichen auf das Berufsleben besser vorzubereiten.

3 Antworten zu “In jede Schultasche gehört ein Laptop!”

  1. [...] Original post by tabalugarasa [...]

  2. emmabutton sagte

    Wow!! Darüber hatte ich noch gar nicht so viel nachgedacht – Die Anforderungen für eine Schultasche habe sich definitiv verändert!! Die neue wird definitiv mit viel Platz für den Laptop gekauft! Danke!!!

  3. [...] schon immer mal wieder einige der mobilen Geräte mit im Gepäck.  Heute aber muss auch schon eine Schultasche Platz für einen Laptop bieten.  Puh!  Das macht alles nicht wirklich einfacher, [...]

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